Sequenzing

Sequenzing? Eine hippe Erscheinung? Eher ein sehr weites Feld, wie Elfi Briest schon sagte. Das Sequenzing im Yoga Unterricht ist wirklich eine Philosophie für sich und es gibt so viele Ansätze wie es Yogalehrerinnen und Yogalehrer auf diesem Planeten gibt. Wie du deine Yogastunden gestaltest ist auf der einen Seite eine sehr Individuelle Sache und auf der anderen Seite gibt es auch einige Grundpfeiler, die es zu beachten gilt. Als Yogaeschülerin oder Yogaschüler macht man sich darüber selten so viele Gedanken, wie die Lehrerin oder der Lehrer. Man fühlt sich halt wohl oder nicht. So einfach ist das oft. Für die Lehrerin oder den Lehrer steckt meistens sehr viel Arbeit und sehr viele Gedanken dahinter.

Interessant ist in diesem Zusammenhang vielleicht auch, sich anzuschauen, woher das klassische Hatha Yoga kommt und wie es früher ausgeübt wurde. Hatha Yoga ist in seiner ursprünglich Form eine geheime männliche Tradition, die in der obersten Kaste, der Priesterkaste weitergegeben wurde. Vor allem jungen athletische Männer haben sich mit diesen Praktiken auseinandergesetzt. So wurde der Sonnengruß oft als Warm Up verwendet und danach folgten dann weitere Asanas wie etwa der Kopfstand. Hier im Westen praktizieren nicht nur junge athletische Männer und den Kopfstand quasi mal zum Start der Stunde zu präsentieren, würde ich auch nur in Ausnahmefällen raten. Yoga und wie Yoga hier im Westen praktiziert wird, unterscheidet sich davon grundlegend. Deshalb ist es immer wichtig, sich anzuschauen, wer vor einem auf der Yogamatte sitzt und was diese Menschen im Hier und Jetzt brauchen, damit sie gestärkter, ausgeglichener und glücklicher nach Hause gehen.

Hier unsere 6 Top Grundgedanken zum Sequenzing, die uns wichtig sind, wenn wir Yogastunden konzipieren:

  • Nachhatigkeit: Es ist immer ganz wichtig die jeweiligen Stundenkonzepte auf die Zielgruppe anbzustimmen. Das bedeutet die Teilnehmer und Teilnehmerinnen dort abzuholen, wo sie sind und nicht an ihnen vorbei zu unterrichten.
  • Gegenbewegungen: Gegenbewegungen sorgen für einen energetischen und körperlichen Ausgleich. Im Hatha Yoga geht es immer um einen Ausgleich. “Ha” bedeutet übersetzt Sonne und “Tha” bedeutet übersetzt Mond. Diese zwei Polaritäten gilt es zu erkennen und bewusst damit zu arbeiten. In der Yogapraxis geht das zum Beispiel mit Gegenbewegungen. Die Gegenbewegung zu Vorbeugen sind zum Beispiel die Rückbeugen. Eine Gegenbewegung muss aber nicht immer eine Asana sein, man kann auch auf anderen Ebenen einen Ausgleich herbeiführen. Nach einer anstrengenden Asanapraxis kann etwa Sitali Pranayama praktiziert werden. Das ist eine sehr kühlende und beruhigende Atemtechnik. Um einen passenden Ausgleich zu finden, ist natürlich einiges an Know How der Yogalehrerin oder des Yogalehrers notwendig um sinnvolle Gestaltungsabläufe zu kombinieren.
  • Vom Einfachen zum Komplexen: Das Wild Thing in die Stunde zu integrieren, wenn die Teilnehmerinnen und Teilnehmer noch nicht mal wissen, was der herabschauende Hund ist, macht wohl wenig Sinn. Das hört sich auf den ersten Blick sehr logisch an, aber ihr könnt euch nicht vorstellen, wie oft ich schon Stunden unterrichtet habe, bei deren Vorbereitung ich schwer begeistert war und dann während der Stunde festgestellt habe, dass es einfach zu viel ist. Wenn ich in verwirrte Gesichter blicke, auf denen fett geschrieben steht: “Wo war noch mal links? Hund oder Fuss? Und was war gleich noch mal Tadasana?”, dann weiss ich, dass ich einen Gang runter schalten und mich in Geduld üben muss. Da ist es mal wieder mit mir als Yogalehrerin durchgegangen. Vor allem wenn man schon sehr lange Yoga praktiziert ist es wichtig, sich immer wieder an die Anfänge zurückzuerinnern und sich vorzustellen, wie es ist, wenn man gerade am Anfang steht oder vielleicht nur ein mal in der Woche Yogastunden besucht.
  • Transitions: Ein super wichtiger Punkt sind auch die Übergänge. Nicht nur, wenn man einen großen Lagewechsel hat, wie etwa vom Liegen zum Stehen oder Sitzen, sondern auch kleinere Übergänge von einer Asana in die nächste. Unachtsamen Übergängen bieten irrsinnig viel Verletzungsrisiko. Als geübter Yogi oder als geübte Yogini erscheint einem sehr viel sehr logisch, aber auch hier darf man sich immer wieder zurückerinnern. Ich rate immer, lieber einen Schritt zu viel als zu wenig anzusagen. Bewusste, interessante und kreative Lösungen für Übergängen machen die Stunden nicht nur sicher, sondern machen deine Stunden auch einzigartig. Sie bieten einen großen Wiedererkennungswert.
  • Von der Dynamik zur Stabilität: Das bedeutet, dass es in den meisten Fällen ratsamer ist, erst zu mobilisieren und dann zu satbilisieren. Ein super Beispiel dafür ist der Herabschauende Hund. Ich persönlich finde es sehr angenehm erst mal den Walking Dog zu machen, bevor ich statisch im herabschauenden Hund verweile und die Dehnung geniesse.

Es gibt noch so viel mehr zum Sequencing zu sagen. Für alle, die genau so fasziniert von Stundengestaltungen sind, wie ich, bieten wir in unseren Yogaausbildung extra Module für das “Sequencing” an, bei denen du von sehr erfahrenen Yogalehrerausbilderinnen lernst, auf was du noch alles achten solltest. Und natürlich das Allerwichtigste: Probiere und praktiziere so viel du kannst selbst! See you soon auf der Yogamatte!

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