
Adjusten – Trikonasana
Wir stehen im Trikonasana. Meine Schüler:innen und ich. Der Weg dahin in dieser Einheit: Die Position ist die zweite in einem Flow mit unterschiedlichen Variationen der Krieger:in. Ich beginne im Stehen, im Berg, Anjali Mudra[1], und lasse meine Schüler:innen ihr Gleichgewicht auf das linke Bein bringen, es mit Worten kräftig und stark machen, während ich sie ihre Arme an der Hüfte parken und das rechte Bein mit abgewinkeltem Knie heben lasse. Dann drehen wir diesen rechten Winkel einige Male zurück, um das Hüftgelenk zu schmieren, bevor wir alle eine Beinlänge zurück steigen, um in die Ausgangsposition des Trikonasana zu kommen. Voilà, so weit, so einfach, denke ich. Die Hälfte meiner Schüler:innen in dieser Stunde kenne ich, alles erfahrene Yogi:nis diesmal, die andere besteht aus neuen Gesichtern, die mir hoch und möglicherweise heilig versprochen haben, dass sie sehr lange und regelmäßig Yoga praktizieren. Dann muss ich nicht so viel erklären, denke ich, und kann mehr selbst mitmachen, wunderbar.
Dreieck
Diese Asana stärkt die Beinmuskultatur und die Fußknöchel. So viel zur Theorie. Beine durchgestreckt, der hintere Fuß ist in einem Winkel von ca. 45° eingedreht, der vordere zeigt nach, klar, nach vorn. Naja, so klar ist die Stellung der Füße schon mal nicht. Ich korrigiere eine der mir unbekannten Schüler:innen. Denke mir aber nichts dabei, kann schon mal passieren, alles easy, und erkläre nicht weiter, also nichts von Kniescheiben hochziehen, Gewicht auf beide Beine verteilen, Außenkante des hinteren Fußes in den Boden pressen, Hüfte seitlich aufdrehen, das heißt zum langen Mattenrand parallel, und dem richtigen Kippen dieser, etc. Ich lasse die Schüler:innen zügig deren Arme nach oben bringen in eine vertikale Linie. Die entspannten Schultern kann ich nicht erkennen. Aber egal, jetzt das Kippen der Hüfte forcieren, deren rechte Seite will nach außen, quasi, links will nach innen, erkläre ich, mit der linken ausgestreckten Hand versuchen wir etwas Imaginäres zu greifen bis es nicht mehr weitergeht (unter anderem der Dehnung der Oberschenkel geschuldet), den Oberkörper lang strecken und dann erst nach unten mit dem linken Arm, den rechten nach oben, Blick auch so gut es geht in diese Richtung.
Trikonasana
Ebenso öffnet diese Asana die Hüften und stabilisiert den Rücken, wodurch sie hilft, Rückenschmerzen zu lindern. Da bin ich mir gerade nicht so sicher. Einige Gesichter sehen gequält aus. Die rechte Seite der Hüften ist bei den meisten nicht geöffnet, sondern eher nach unten gedreht. Hauptsache sie berühren mit der linken Hand den Boden, so kommt es mir zumindest vor. Ohne einen Namen zu nennen, merke ich an, dass wenn die rechte Hüftseite nach unten kippt, sie mit den Armen ein bisschen höher kommen sollen, um die Hüfte zu öffnen und da dies angenehmer wäre, sie würden durch diese seitliche Öffnung die Dehnung auch über dem Becken spüren; außerdem höher kommen sollten die Schüler:innen, wenn die Dehnung an der Innenseite der Beine zu stark wäre oder die Position instabil wird. In dem Fall am besten auch noch gleich am Knöchel, Schienbein, oder höher anhalten. Ich meine es gut mit ihnen. Sie ignorieren meinen Hinweis.
Zudem löst die Asana Verspannungen in der Brust, den Schultern und dem Becken. Jede Asana, so auch das Trikonasna, sieht bei jeder Person unterschiedlich aus. Nur so, wie einige Schüler:innen in dem Moment stehen, sollte es nicht aussehen. Ich sage vorerst nichts, bringe die Sequenz mit der zweiten Krieger:in und einigen Prasarita-Variationen voran, und dann, über den gestreckten Seitenwinkel, mit der ersten Krieger:in zu Ende. Samasthiti.
Individuelle Ausrichtung
Vor der zweiten Seite erkläre ich das Trikonasana genauer. Manche Gesichter haben jetzt große Augen, oder verdrehen sie. Ich weiß nicht genau warum, ignoriere es, aber innerlich fühle ich mich gar nicht gut. Als wir bei der Asana sind, adjuste ich die Schüler:innen, um ihnen die korrekte Position zu zeigen. Ich frage auch immer vorher, ob ich sie berühren darf. Doch das Korrigieren kommt anscheinend nicht so gut an.
Am Ende der Einheit, nach der Verabschiedung, kommt eine jener mir unbekannten Schüler:innen auf mich zu, und erklärt mir, dass sie schon wisse, wie die Position richtig gehöre und dass sie es nicht mag, wenn Yogalehrer:innen ihr eigene „erfundene“ Versionen aufzwingen wollen. Ich bin kurz vor den Kopf gestoßen. Nein, ich bin sogar sprachlos.
Ich atme. Ich atme nochmal.
Einbildung vs. Ausbildung
Das ist die Aufregung nicht wert. Ich bleibe ruhig. Ich kläre sie auf, dass ich nicht korrigiere, weil ich das will, nicht, weil ich eine bestimmte Vorstellung von einer Position habe und die unbedingt durchdrücken will, sondern weil sie am besten von der jeweiligen Asanas profitieren soll, und ich aufgrund meiner Ausbildungen das Wissen, sowie jahrelange Erfahrung habe, und sie mir daher vertrauen könne. Ich merke, dass diese Worte nicht bei ihr ankommen. Außerdem glaube ich, dass sie nie wieder in eine meiner Stunden kommen wird. Ich frage sie dennoch, weil ich neugierig bin, woher sie denn weiß, wie die Asana geht. Ich öffne damit kurz aber unerwartet ein Fenster … Redeschwall: Während Covid-19 begonnen, also schon 5 Jahre Erfahrung, on-line, 20 Minuten Videos, einmal pro Woche. Youtube. Ausschließlich. Das war die Antwort. Sie war das erste Mal in einer Stunde in einem Studio, weil sie dachte … Ich weiß nicht, was sie dachte, denn sie hat nicht weitergesprochen, aber ich bin mir nun sicher, dass sie nicht mehr kommen wird. Eigentlich schade, denke ich, es würde ihr guttun. Ich sage nichts aber nichts mehr.
Ganz gleich ob Anfänger:in oder Fortgeschrittene:r, wenn ich sehe, dass man eine Asana verbessern kann, dann empfehle ich das, mit Worten, und manchmal adjuste, richte ich die Position ein, neu aus, korrigiere ich, vielleicht nicht gleich beim ersten Mal, vielleicht erst, wenn es zum wiederholten Mal vorkommt. Genau deswegen sind Yogalehrer:innen da, um zu helfen, die Positionen so exakt, wie möglich auszuführen. Damit Schüler:innen maximal von der jeweiligen Asana profitieren können. Nicht weil wir uns das einbilden.
Namaste[1]
Etienne Thierry
[1] Nama = Ehrerbietung, Te = dir/ an dich
INFOS Yoga Ausbildung 200h
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